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Wildtiere im Winter

Nahrung ist im Winter nur spärlich vorhanden und meist nährstoffarm. Die kurzen Tage bieten zudem wenig Gelegenheit zur Nahrungsaufnahme. Die Fortbewegung bei hoher Schneelage ist erschwert und zehrt an den Kräften. Bei extremer Kälte (durchschnittlich -10°C auf 2000 m ü. M.) müssen die Wildtiere die langen Wintermonate überstehen. Energiesparen ist darum oberstes Gebot. 

Wildtiere haben vielfältige Strategien entwickelt, um den Energieverbrauch möglichst tief zu halten:

  • ein isolierendes Winterfell oder Federkleid;
  • das Aufsuchen von geschützten Unterständen oder Höhlen;
  • passives Aufwärmen an der Sonne;
  • reduzierte und kraftsparende Fortbewegung;
  • das Absenken der Körpertemperatur.

Am wichtigsten ist es jedoch für alle Wildtiere, nicht gestört zu werden, denn Stress und Flucht verbrauchen viel Energie.

Stress und Flucht verbrauchen Energie

Störungen lösen bei Wildtieren Stress aus. Bei starker Störung ergreifen sie die Flucht. Durch den Stress und auf der Flucht verbrauchen sie viel Energie, und es steht zudem weniger Zeit für die Nahrungsaufnahme zur Verfügung: Dies wirkt sich negativ auf die Energiebilanz der Tiere aus.

Stress und schlechte körperliche Verfassung können einen geringeren Fortpflanzungserfolg, Krankheit oder gar den Tod durch Erschöpfung nach sich ziehen.

Je tiefer der Schnee, desto höher der Energieverbrauch bei der Fortbewegung oder auf der Flucht.
Energieverbrauch Fortbewegung Gämse in Abhängigkeit von der Schneehöhe.

Gewöhnung oder mehr und mehr Stress

Auf wiederholte Störung reagieren Wildtiere auf zwei Arten:

Gewöhnung
Wenn die Störungen gleichartig, konstant und relativ häufig sind und ein Ausweichen möglich ist, können sich Tiere daran gewöhnen. Dies ist etwa entlang einer markierten, viel begangenen Route der Fall oder bei konstantem Betrieb rund um eine Hütte. Solche Störungen sind für die Tiere vorhersehbar und sie reagieren bald nicht mehr mit Flucht oder Stress. Gewöhnung kannst du beispielsweise bei Steinböcken an einer Salzlecke beobachten oder wenn Gämsen dir von sicherer Warte aus beim Aufstieg zuschauen.

Sensitivierung
Das Gegenteil von Gewöhnung nennt man Sensitivierung. Dabei fühlen sich die Tiere bei jeder Störung stärker gestresst und flüchten auf immer grössere Distanz oder geben den Standort sogar ganz auf. Sensitivierung beobachtet man besonders bei wiederholten, unvorhersehbaren Störungen von oben, z. B. durch Skifahrer. Das Phänomen der Sensitivierung ist den wenigsten bekannt. Die heftigen Reaktionen bleiben meist unbemerkt, weil die erschreckten Tiere sich ducken oder längst geflüchtet sind, bevor sie überhaupt gesehen werden. Manchmal finden sich noch Spuren, die auf ihre Anwesenheit hindeuten – zum Beispiel das verlassene Iglu eines Birkhuhns.

Bei wiederholter, unvorhersehbarer Störung fühlen sich Wildtiere verunsichert und verlassen ihre angestammten Einstands-, Futter-, Balz-  oder Nistplätze. Das kann unerwünschte Folgen haben: ausbleibender Fortpflanzungserfolg oder negative Auswirkungen in den Zufluchtsorten, wie etwa Verbiss von Jungbäumen im Schutzwald.

Kritische Störungen, problematische Zeitfenster

Die Art und Häufigkeit der Störung und die Situation, in der sich die Tiere befinden, haben einen Einfluss auf die Reaktion der Tiere.

Negative Reaktionen werden besonders durch folgende Arten von Störungen ausgelöst:

  • unübliche, nicht vorhersehbare Route (z. B. querfeldein statt auf dem Weg);
  • Überraschungseffekt (z. B. hohe Geschwindigkeit oder unerwartetes Auftauchen um Geländekanten);
  • Annäherung von oben (Skifahrer, Snowboarder, Gleitschirmflieger);
  • lärmende Gruppen;
  • Menschen mit Hunden.

Besonders empfindlich reagieren Wildtiere:

  • in der Brunft- bzw. Balzzeit und zur Setz- bzw. Brutzeit;
  • in Anwesenheit von Jungtieren;
  • in der Dämmerung;
  • wenn ein geeignetes Rückzugsgelände fehlt.